Enthüllt: Alte Geigen doch schlechter als neue ;-)

Mit schöner Regelmäßigkeit liest man in populären Magazinen und Zeitungen Artikel über alte Geigen. Meistens geht es in den Geschichten um das gerade wiederentdeckte Lackgeheimnis Stradivaris; bemitleidenswerte Geiger, die ihre Guaneri im Bus liegen lassen, oder international mit Haftbefehl gesuchte, millionenschwere Geigenhändler.

Spiegel Online veröffentlichte heute einen Artikel über einen Blindtest, in dem während des internationalen Geigenwettbewerbs in Indianapolis neue und alte Geigen gegeneinander antraten. Das Ergebnis: ernüchternd. Ähnlich wie bei der Homöopathie muss man dran glauben, damit es wirkt.

Den Blindtest führten die Forscher in einem abgedunkelten Hotelzimmer durch. Die Probanden – größtenteils um professionelle Musiker (ihre eigenen Instrumente hatten einen Wert von 1400 bis 7,7 Millionen Euro) mussten außerdem dunkle Schweißerbrillen tragen; etwas Parfum unter der Kinnstütze verdeckte den Holzgeruch der Instrumente.

Für den Test wurden sechs Geigen bereitgestellt: drei alte italienische Violinen (eine Guarneri del Gesù, zwei Stradivari), und drei neuen Modelle (wenige Tage bis Jahre alt).
Jedes Instrument wurde von mindestens einem Teilnehmer als Favorit gewählt, und bis auf eines landete jedes in den vier Kategorien sowohl vorn als auch hinten. Nur eine der neuen Geigen war überdurchschnittlich beliebt, während die Stradivari eher hinten landete. Ob ihr Favorit eine alte oder neue Geige war, konnten die Musiker offensichtlich nur raten.

Nachtrag: Auch NPR berichtet über den Blindtest; auf der Website des amerikanischen Radiosenders kann man Aufnahmen vom Test anhören und sich selbst testen.