Singende Bassisten

Singende Jazzmusiker – also Instrumentalisten, die als “Zweitinstrument” auch ihre Stimme einsetzen – da fallen einem zunächst Pianisten wie Fats Waller oder Nat King Cole ein, die Bläser Louis Armstrong und Chet Baker, oder auch Gitarrist George Benson. Aber Bassisten? Es scheint zunächst, als vertrüge sich die dienende Rolle des Basses nicht mit dem Rampenlicht, dem Sänger und Sängerinnen als Frontpersonen ausgesetzt sind. Und überhaupt – wie geht das denn, simultan singen und spielen, gleichzeitig Front- und Sideman?
Slam Steward (1914–1987) wurde mit einer sehr spezifischen Art zu “singen” bekannt: er sang seine gestrichenen Bass-Soli oktaviert mit, und erzielte damit einen verblüffenden Effekt. Major Holley (1924-1990) griff diese Technik auf; im Gegensatz zu Steward summte er in der selben Stimmlage wie sein Bass und verwendete ein Kehlkopfmikrofon zur Verstärkung. Beide beschränkten sich allerdings darauf, mit ihrer Stimme improvisierte Soli zu unterstützen – Lead-Sänger im eigentlichen Sinne waren sie nicht.
Der erste Singer-Songwriter-Bassist war wahrscheinlich Red Mitchell (1927-1992), der in den 1970ern auch ein Album mit eigenen Liedern aufnahm. Als Sänger begleitete er sich allerdings stets lieber auf dem Klavier als mit dem Bass.
Der dienstälteste singende Bassist ist sicherlich Jay Leonhart. Anfang der 1960er Jahre begann er in New York seine musikalische Laufbahn als Jazzbassist. Als Studiomusiker arbeitet er seit den 70ern in den unterschiedlichsten Musikgenres – von James Taylor über Ozzy Osborne bis Queen Latifah. Sein musikalisches Markenzeichen ist jedoch seine One-Man-Show „Bass Lesson“. In der Manier eines Comedian beschäftigt sich Singer-Bassist-Songwriter Jay Leonhart mit der Welt aus Sicht des Bassisten. Er erzählt in seinen Kompositionen humorvoll aufbereitete Alltagsgeschichten, bezieht aber auch politisch Stellung. In diesem Genre, das von Sängern/Pianisten wie Bob Dorough, Dave Frishberg und Mose Allison geprägt wurde, ist auch sein jüngerer Kollege Jim Ferguson einzuordnen. Ferguson sang als Kind in Kirchenchören (die sein Vater leitete), wo er seine Vorliebe für das Singen entdeckte. Während seines Kontrabass-Studiums ließ er sich auch in Gesang ausbilden, und setzt heute beide “Instrumente” gleichermaßen ein. Außerdem hat er sich auch als Bassrestaurator einen Namen gemacht.
Die amerikanische Bassistin/Sängerin Kristin Korb nahm ihre erste CD “Introducing Kristin Korb” noch als “Nur-” Sängerin auf, am Bass begleitet von der bassistischen Vaterfigur Ray Brown und seinem Trio. Inzwischen gibt sie beim Singen den Bass nicht mehr aus der Hand, und ist gefragte Workshop-Dozentin für das Fachgebiet “Bassspielen und Singen”.
Auch die einheimische Musikszene hat mit Fritz Feger einen singenden Bassisten zu bieten. Feger ist nicht nur als Musiker sehr vielseitig veranlagt. Als promovierter Landwirt bewirtschaftet er einen Hof, spielt Kontrabass und Cello, komponiert Lieder, Film- und Theatermusik, und singt. Zusammen mit seinem Trio und einem Streichquartett hat er als Bassist und Sänger eine Reihe von Kompositionen von Burt Bacharach aufgenommen.

http://www.jayleonhart.com
http://jimfergusonmusic.com
http://www.kristinkorb.com
http://www.fritzfeger.de

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