„Kultursponsoring“ einmal anders herum gedacht

Diese Giganfrage eines Hotels flatterte mir in E-Mail-Postfach: „Für eine Veranstaltung unseres Hotels XXX (5*Superior) sind wir auf der Suche nach 1-3 Jazzmusikern, die sich und Ihre Kunst im Rahmen eines Events präsentieren möchten. (…) Die Darbietung soll im Rahmen einer Veranstaltung stattfinden und jeweils immer ein Stück zwischen den Moderationen gespielt werden.“
Soweit, so gut – diese Sorte Gig gehört ja zum Alltag vieler Jazzmusiker. Die Zimmerpreise in dem Nobelschuppen fangen bei 280 € die Nacht an, das Restaurant wurde bereits mit Sternen im Guide Michelin ausgezeichnet. Wer jetzt mit entsprechender Gage rechnet, liegt aber falsch:
„Zum Budget würden wir vorschlagen, dass wir die Veranstaltung prominent mit den Musikern bewerben (Online, Social media, Flyer etc.) und auch Hotelgutscheine würden wir ausstellen.
Aufgrund der Budgetvorgabe, sind wir offen was das Ausbildungsniveau und den Stil der Musik/er angeht.“

Ich überlege noch, was eine angemessene Reaktion sein könnte. Natürlich sollte man die Herrschaften darüber aufklären, dass „Jazzmusiker“ ein Beruf ist, und die erbrachte Leistungen auch bezahlt werden muss. Man könnte aber auch eine eine Gruppe Grundschüler schicken, und die etwas auf ihren Blockflöten vortragen lassen. Oder habt ihr noch andere gute Ideen? Vorschläge bitte in den Kommentaren zu diesem Blogeintrag  …

6 opinions on “„Kultursponsoring“ einmal anders herum gedacht”

  1. Der Begriff „Jazzmusiker“ widerspricht der Aussage:“ …offen was das Ausbildungsniveau und den Stil betrifft….“
    Musiker is ein Beruf.
    Jazz ist ein Stil.
    Jazzmusiker ist ein professioneller Musiker, der Jazz spielt.
    Die Herrschaften haben sich einfach nicht klar ausgedrückt.
    Logisch, dass bei diesem Budget nur eine Kinder Musikschulband spielen kann (gegen Organisationspauschale für Deine Organisation derselben für ca. 200 €, Du bleibst aber zuhause gemütlich auf dem Sofa sitzen).
    Das wäre dann in etwa so, wie wenn der Gast in einem Sternerestaurant ein Menü nicht bezahlen muss, weil dieses der Schüler (in der Hotelküche auf Besuch) beim Berufs Orientierungs Praktikum gekocht hat. Fragt sich nur, welcher Gast das essen möchte…

  2. Klar fühlt man sich als Musiker mit seiner musikalischen Ausbildung nicht wahrgenommen und brüskiert, wenn man solche „Angebote“ bekommt. Trotzdem würde ich die Sache nicht so hoch hängen. Es gibt eine Menge Ignoranten auf der Welt, auch Schlaumeier die glauben durch bornierte Angebote Geld sparen zu können, wie will man die alle bekehren? Das Problem für dich scheint mir aber eher darin zu liegen, dass du dich angewiesen fühlst auf Auftraggeber wie diesen. Wäre das nicht so könntest du sagen „schlechtes Angebot, kein Interesse“ – ab in den Mülleimer und im freigewordenen Zeitfenster einen fair entlohnten Job machen.

  3. Hallo Jonas,

    ich sehe vier Möglichkeiten:
    – Ignorieren. Funktioniert, bewirkt aber nichts.
    – Dein Vorschlag mit den Grundschülern. Bewirkt (vielleicht) einen Denkprozess.
    Vermutlich soll die Moderation auch gleich über die Anlage der Band erfolgen, deshalb zwei schön destruktive Ideen:
    – Eine Punkband vermitteln, die, wenn sie auftaucht, voraussichtlich nicht aufbauen darf. Nachteil: Der gute Ruf ist ruiniert.
    – Irgendeine Fake-Band erfinden und vermitteln (GMX-Adresse anlegen), die große technische Forderungen stellt (Bühnengröße, 32A-Drehstromanschluss), aber zwei Stunden vor dem Gig per Mail absagt, weil sie einen besseren Gig gefunden hat. Hier war der gute Wille da, aber man kriegt halt nur das, für was man bezahlt…

    Grüße
    Zwengelmann

  4. Am besten: Anzünden, die Hütte … :))
    Oder, nicht ganz so radikal: Einen Hut rumgehen lassen … oh, dass würde ja nichts bringen, weil die anwesenden „Besserverdiener“ ja kein „Kleingeld“ dabei haben werden … da muss man dann wohl ein Kartenlesegerät rumgehen lassen oder auch Schmuck und Diamanten akzeptieren :))
    Man könnte natürlich auch ein 10 Gänge Menü im Sterne-Restaurant für die gesamte Band akzeptieren … warum nicht?
    Ja, ja … dann werde ich wohl meine nächste Miete auch mit einem Räucherschinken begleichen … mal schauen, was mein Vermieter dazu sagen wird :))
    Back to the roots … die Spielleute im Mittelalter wurden ja auch mit „Speis und Trank“ belohnt.
    Das traurige an der Geschichte ist ja, dass das Hotel Musiker finden wird, die sich darauf einlassen! So funktioniert eben unsere Gesellschaft … und deshalb sieht sie auch so aus, wie sie ist.
    Make more music!

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