{"id":784,"date":"2011-01-24T09:52:00","date_gmt":"2011-01-24T09:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=784"},"modified":"2011-01-24T16:01:23","modified_gmt":"2011-01-24T16:01:23","slug":"neulich-im-jazzkeller-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=784","title":{"rendered":"Neulich im Jazzkeller \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwoch war es im Jazzkeller wieder brechend voll. Eigentlich schon zu voll. Zumindest aber zu laut. Aber ich finde es phantastisch, dass der Jazzkeller an manchen Tagen noch so gut und vor allem bunt gemischt besucht ist wie zu seinen Glanzzeiten in den Jahren, als Frankfurt noch den inoffiziellen Ehrentitel \u201eJazzhauptstadt  der Republik\u201c trug.<br \/>Diese Jahre sind schon lange vorbei \u2013\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jazzinitiative-frankfurt.de\/?p=1616\" target=\"_blank\">Wolfgang Sandner in einem Artikel f\u00fcr die FAZ<\/a>\u00a0(erschienen letzte Woche, am 19.1.) recht zutreffend das Dilemma und die verpassten Chancen Frankfurts zusammengefasst. Und spricht damit vielen aus der Jazzszene aus dem Herzen. Noch vor zwanzig Jahren war Frankfurt eine Stadt, die immer wieder den Zuzug interessanter junger Jazzmusiker zu verzeichnen hatte. Heute ziehen die meisten Nachwuchsmusiker weg \u2013\u00a0zum studieren gehen sie nach Mannheim, K\u00f6ln, Berlin \u2013 selbst die \u201ekleinen\u201c Nachbarst\u00e4dte wie W\u00fcrzburg oder Mainz haben angehenden Musikern inzwischen mehr zu bieten als Frankfurt. Darin wird ein tiefgreifender Strukturwandel deutlich: die Verhochschulung des Jazz. Noch vor drei\u00dfig Jahren waren die M\u00f6glichkeiten, Jazz zu studieren, recht \u00fcberschaubar. In der Regel gingen die Leute ins Ausland, nach Hilversum, Bern, Graz oder gleich in die USA. Jazz studiert zu haben war ein <em>nice-to-have<\/em>, aber keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit unter den Profis. Dann sprossen pl\u00f6tzlich auch in Deutschland die Jazz-Fachbereiche aus dem Boden. Frankfurt w\u00e4re hier pr\u00e4destiniert gewesen, eine Vorreiterrolle zu spielen: immerhin gab es bereits 1927 eine Jazzklasse am Dr. Hoch&#8217;schen Konservatorium (der freilich bald durch die Nazis ein Ende bereitet wurde). Aber die HfmdK sprang erst sp\u00e4t und dann auch nur halbherzig mit Jazz-<em>Aufbau<\/em>studieng\u00e4ngen f\u00fcr angehende Musiklehrer auf den Zug auf.<!--more-->\u00a0Mit etwas Neid blickt man deswegen heute aus Frankfurt auf St\u00e4dte wie das nahe Mannheim, deren Jazzszene in den letzten zwanzig Jahren so viel an Lebendigkeit gewonnen hat \u2013 seit dort Jazz studiert werden kann. Nun kann man die Verhochschulung des Jazz zu Recht auch sehr kritisch sehen. Die Entwicklung des Jazz war bereits abgeschlossen, als er Eingang an die Hochschulen fand. Der Jazz kann also auch hervorragend ohne universit\u00e4ren \u00dcberbau existieren. Und die Auftrittsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Jazzmusiker werden immer weniger. Die M\u00f6glichkeit, seine F\u00e4higkeiten <em>on-the-job<\/em> zu erlernen, wie es fr\u00fcher \u00fcblich war, gibt es heute kaum noch. Aber braucht unsere Gesellschaft so viele ausgebildete Jazzmusiker, wie sie die Hochschulen hervorbringen? Wo sollen die denn alle auftreten?\u00a0<br \/>Die meisten Jazzmusiker sind deswegen schon heute nur Nebenerwerbs-Jazzer, die nur einen kleinen Teil ihres Einkommens mit Auftritten verdienen. Unterrichtst\u00e4tigkeit, Theaterjobs oder musikferne T\u00e4tigkeiten sichern in den meisten F\u00e4llen den Lebensunterhalt. Zu dieser ver\u00e4nderten Lebenswirklichkeit des Jazzmusikers passt die h\u00f6here Relevanz der Musikhochschulen dann auch wiederum.<br \/>Letzte Woche wurde bekannt, dass die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jazzinitiative-frankfurt.de\/?p=1704\" target=\"_blank\">Frankfurter Musikhochschule die kl\u00e4gliche Reste Jazz endg\u00fcltig aus dem Lehrbetrieb streichen<\/a>, und sich stattdessen auf so exotische Angebote wie \u201eBarockfl\u00f6te\u201c konzentrieren wird. Interessanterweise beruft sich die Hochschule dabei auf EU-Ma\u00dfgaben aus Br\u00fcssel, wonach sie den kleingesparten Fachbereich Jazz nicht weiter subventionieren *darf*. Die Frankfurter Studenten bekommen noch nicht einmal die M\u00f6glichkeit, ihr begonnenes Studium abzuschlie\u00dfen. Hessen d\u00fcrfte damit das einzige Bundesland sein, in dem man Jazz <em>nicht<\/em> studieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch war es im Jazzkeller wieder brechend voll. Eigentlich schon zu voll. Zumindest aber zu laut. Aber ich finde es phantastisch, dass der Jazzkeller an manchen Tagen noch so gut und vor allem bunt gemischt besucht ist wie zu seinen Glanzzeiten in den Jahren, als Frankfurt noch den inoffiziellen Ehrentitel \u201eJazzhauptstadt der Republik\u201c trug.Diese &hellip; <a href=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=784\" class=\"more-link\">Read more <span class=\"screen-reader-text\">Neulich im Jazzkeller \u2026<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,53],"tags":[],"class_list":["post-784","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jazz","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/784","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=784"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/784\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}