{"id":42,"date":"2005-12-01T00:00:03","date_gmt":"2005-11-30T22:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=42"},"modified":"2005-12-01T00:00:03","modified_gmt":"2005-11-30T22:00:03","slug":"bassisten-und-das-cello-im-jazz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=42","title":{"rendered":"Bassisten und das Cello im Jazz"},"content":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zu seinen Verwandten Geige und Kontrabass ist das Cello in der Jazzmusik bis heute ein Exot. Zun\u00e4chst war das Cello im Jazz ein Art \u201ekleiner Kontrabass\u201c, denn die ersten Musiker, die das Cello verwendeten, waren Jazzbassisten. Zu ihnen geh\u00f6rte der Bassist Harry Babasin, der 1947 mit dem Pianisten Dodo Marmarosa erste Aufnahmen mit dem pizzicato gespielten Cello machte. W\u00e4hrend er zun\u00e4chst auch als Cellist noch in der Rolle des Bassisten blieb, nahm er bei sp\u00e4teren Aufnahmen einen Bassisten hinzu, um das Cello als reines Melodie- und Soloinstrument einsetzen zu k\u00f6nnen. Der Bassist Oscar Pettiford kam 1949 durch einen Armbruch, den er sich beim Baseballspiel mit Bandkollegen zugezogen hatte und der ihm das Bassspiel vorr\u00fcbergehend unm\u00f6glich machte, zum k\u00f6rperlich weniger anspruchsvollen Cello. Zuvor hatte er das Cello bereits gelegentlich als Bassist in den Orchstern von Duke Ellington und Woody Herman eingesetzt, und es bei Basssolos anstelle des Kontrabasses verwendet. Mit kleinen Combo-Besetzungen begann er daraufhin, das Cello konsequent als Melodie- und Soloinstrument einzusetzen. 1952 kam es zu einer gemeinsamen Session der beiden \u201ePizzicato Jazz Cello\u201c-Pioniere Babasin und Pettiford. Mit seinen eigenen Combos nahm Pettiford zahlreiche Platten mit dem Cello auf. Dabei \u00fcbernahmen die Bassisten Charlie Mingus, Harry Babasin und Whitey Mitchell (der Bruder Red Mitchells) oder sp\u00e4ter &#8211; w\u00e4hrend seiner Zeit in Deutschland &#8211; auch Gitarrist Attila Zoller den Bass-Part. Ab 1954 bediente er sich f\u00fcr Aufnahmen auch der damals noch jungen Mehrspurtechnik und spielte sowohl Bass- als auch Cellopart ein.In den folgenden Jahren machten auch die Bassisten Keter Betts, Sam Jones, Percy Heath, Eldee Young und Ray Brown Aufnahmen als Cello-Solisten. Sie alle stimmten ihre Instrumente nicht wie \u00fcblich in Quinten, sondern wie vom Bass gewohnt in Quarten \u2013 nur eben eine Oktave h\u00f6her. Zusammen mit Ray Brown konzipierte die Firma Kay ein Cello f\u00fcr Jazzbassisten, das dann unter dem Namen \u201eRay Brown Jazz Cello\u201c auf dem Markt kam. Ray Brown st\u00f6rte das schmale Griffbrett eines Cellos. Au\u00dferdem l\u00e4sst es sich mit den Holzwirbeln eines Cellos schwierig stimmen. Deswegen baute Kay ein Cello, dass einen kr\u00e4ftigeren Hals und ein breiteres Griffbrett , sowie \u00fcbersetzte Mechaniken anstelle der einfachen Holzwirbel hatte. Passend zum \u201eRay Brown Jazz Cello\u201c boten sie auch Cello-Saiten in Quartstimmung an.<br \/>\nPercy Heath kam \u00fcber seinen Freund und Kollegen Ray Brown zum Cello: \u201eIch fragte Ray Brown: \u2018Hey Ding, hast Du nicht eines dieser Teile?\u2019 Er antwortete: \u2018Ja, ich habe eines in der Garage stehen.\u2019 Zu dieser Zeit waren alle Bassisten erst ganz versessen auf diese Celli, gaben es dann aber meist irgendwann wieder auf. Ray Brown rief mich einige Monate sp\u00e4ter, als ich gerade neben den \u2018Heath Brothers\u2019 noch was anderes machen wollte, von einem Flughafen aus an und sagte: \u2018Hey P, ich schicke Dir das Teil.\u2019 &#8211; \u2018Hey Ding, danke, Mann!\u2019. Er sagte: \u2018Du musst drei Finger nehmen.\u2019 Ich fragte: \u2018Wie meinst Du das?\u2019, aber er sagte nur \u2018Du wirst es dann schon kapieren.\u2019 und legte auf. Wenig sp\u00e4ter kam eine Kiste mit dem Cello. Ich versuchte, es zu spielen. Ich setzte mich hin, und begann, es wie einen Bass zu spielen. Da merkte ich, was Ray meinte: man kann nur drei Finger benutzen, weil das Ding so klein ist. Wenn man vier Finger benutzt, ist man \u2018out of tune\u2019. Es geht mechanisch gesehen einfach nicht.\u201c<\/p>\n<p>Bassist Ron Carter machte in den 1960er Jahren ebenfalls Aufnahmen als Cellist, bei denen George Duvivier am Bass mitwirkte. Ron Carter hatte, bevor er zum Bass wechselte, klassischen Cellounterricht genossen, und setzte sein in Quinten gestimmtes Cello auch gestrichen f\u00fcr Aufnahmen mit Eric Dolphy, Mal Waldron und George Benson ein. Sp\u00e4ter verwendete er einen nach seinen W\u00fcnschen gebauten \u201ePiccolo-Bass\u201c. Auch die Bassisten Dave Holland (mit Gitarrist Derek Bailey, sowie mit Bassist Barre Phillips, jeweils 1971), Todd Coolman und Buell Neidlinger machten Aufnahmen auf dem Cello. Mitte der 50er Jahre brachte der klassisch ausgebildete Cellist Fred Katz das gestrichene Cello in den Jazz ein. Als Mitglied im Quintett des Westcoast-Drummers Chico Hamilton war er der erste \u201enur-Cellist\u201d, f\u00fcr den das Cello mehr als ein h\u00f6her gestimmter Kontrabass war. 1958 folgte ihm Nat Gershman im Chico Hamilton Quintett nach. Mit den Cellisten des Chico Hamilton-Quartett begann das Cello stilistisch vom Kontrabass zu l\u00f6sen, und zu einem eigenst\u00e4ndigen Jazz-Instrument zu wandeln.<\/p>\n<h3><a id=\"Anchor-49575\" name=\"Anchor-49575\" \/><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zu seinen Verwandten Geige und Kontrabass ist das Cello in der Jazzmusik bis heute ein Exot. 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