{"id":3424,"date":"2022-07-25T07:55:13","date_gmt":"2022-07-25T07:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=3424"},"modified":"2022-07-25T08:47:07","modified_gmt":"2022-07-25T08:47:07","slug":"bauanleitung-inklusive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=3424","title":{"rendered":"Bauanleitung inklusive"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Werkstatt sto\u00dfe ich bei Reparaturen immer mal wieder auf Instrumente, die eine kleine Geschichte erz\u00e4hlen. So auch dieser Bass: nach dem Abnehmen der Decke kommt auf dem Boden eine mit Bleistift geschriebener Text zum Vorschein. Mit etwas Geduld und der Hilfe von digitaler Bildbearbeitung konnte ich die blasse Inschrift dann auch entziffern:  \u201eZu jedem Boden gute Pflaster geben. 10 St\u00fcck\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier hat also der Meister seinen Werkstatt-Mitarbeitern eine Arbeitsanweisung auf das Werkst\u00fcck geschrieben. Kontrabassb\u00f6den werden i.d.R. aus zwei Teilen zusammengef\u00fcgt, und die Leimfuge in der Mitte mit \u201eKl\u00f6tzchen\u201c (oder \u201ePflastern\u201c) belegt. 10 St\u00fcck waren gew\u00fcnscht, jedoch wurde dem nicht ganz exakt Folge geleistet: es sind nur 9 St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bass hat einen etwas ungelenk nah am Rand eingeklebten Zettel mit einem Stempel von Rudi Lang, Mittenwald. Rudolf Lang f\u00fchrte die Werkstatt fort, die sein Vater Benedikt Lang (*1893 Sch\u00f6nbach \u20201975 Mittenwald) 1946 in Mittenwald neu gegr\u00fcndet hatte, nachdem die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Westb\u00f6hmischen Musikwinkel vertrieben wurde. Instrumente von Benedikt Lang haben meistens einen gedruckten Zettel mit Jahreszahl \u2013 der Zettel in diesem Bass hingegen wirkt hingegen etwas improvisiert, eine Jahresangabe fehlt. Vielleicht hatte Rudi Lang, nachdem er die Werkstatt \u00fcbernommen hatte, noch keine Zettel mit seinem Namen drucken lassen und hat deswegen auf Stempel und Stempelkissen zur\u00fcckgegriffen. <\/p>\n\n\n\n<p>Graphologisch spricht einiges daf\u00fcr, dass die Inschrift nicht von Rudi, sondern von jemandem \u00e4lteren Alters stammt, denn Rudis Schulzeit fiel vermutlich in die Zeit, in der an deutschen Schulen vorwiegend S\u00fctterlin als Ausgangsschrift gelehrt wurde. Die Inschrift ist jedoch in einer sehr schr\u00e4g gestellten lateinischen Kurrentschrift mit ausgepr\u00e4gten Ober- und Unterl\u00e4ngen. Aber aufgrund der geografischen Herkunft der Familie ist eine Deutung des Schriftbildes sicherlich komplexer. Einfacher sind die baulichen Merkmale des Basses zu deuten: die Decke des Basses hat einem \u201estehengelassenen\u201c (nicht eingeleimten) Bassbalken, ist also in b\u00f6hmischer und nicht Mittenwalder Tradition gefertigt. Auch auf der Deckeninneseite ist eine Botschaft zu finden: 1993 reparierte der ebenfalls aus einer b\u00f6hmischen Geigenbauer-Familie stammende Franz Wilfer in Nauheim den Bass, und vermerkte das mit Bleistift.           <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"441\" src=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6985-1024x441.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3425\" srcset=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6985-1024x441.jpg 1024w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6985-500x216.jpg 500w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6985-768x331.jpg 768w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6985-1536x662.jpg 1536w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6985-2048x883.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u201eZu jedem Boden gute Pflaster geben \u2013 10 St\u00fcck\u201c<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6986-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3426\" srcset=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6986-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6986-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6986-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6986-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/IMG_6986-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Rudi Lang, Mittenwald<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Werkstatt sto\u00dfe ich bei Reparaturen immer mal wieder auf Instrumente, die eine kleine Geschichte erz\u00e4hlen. 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