{"id":3133,"date":"2020-05-27T18:32:17","date_gmt":"2020-05-27T18:32:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=3133"},"modified":"2020-05-27T19:58:58","modified_gmt":"2020-05-27T19:58:58","slug":"alles-so-bunt-hier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=3133","title":{"rendered":"Alles so bunt hier!?"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Jahre 2006 stellte ich hier im Kontrabassblog eine damals noch junge Errungenschaft des Internets vor: <a href=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=186\">\u201eEines der Portale, die in letzter Zeit im Internet f\u00fcr Furore sorgten, ist das Video-Portal\u00a0YouTube\u201c.<\/a> <br \/>Huch \u2013\u00a0es gab mal Internet ohne YouTube?!? Kann man sich heute kaum mehr vorstellen \u2026Zu den Filmen, die ich damals sofort in meiner Favoritenliste gespeichert und hier vorgestellt hatte, geh\u00f6rte Hellzapoppin: \u201eDieser Clip ist mein absoluter Favorit. Wer nicht wei\u00df, was Lindy Hop und Jitterbug ist und akrobatisch-extasische Tanzimprovisation vor allem mit Rock\u2019n\u2019Roll assoziiert, bei Minir\u00f6cken an die 60er Jahre denkt und sexy Musikvideoclips f\u00fcr eine Erfindung von MTV h\u00e4lt, der sollte sich unbedingt diesen Film aus dem Jahre 1941 ansehen und kulturhistorischen Kenntnisse etwas auffrischen. It\u2019s all Jazz, man.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es ja bereits Farbfilme gab (so zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=M0SoIHyxrQM\">dieser Film mit einem Magdeburger Trompeter aus dem Jahre 1935<\/a>),  wurde Hellzapoppin noch in Schwarz-Wei\u00df gedreht. Aber auch hier macht der technische Fortschritt nicht halt: <strong>DeOldify <\/strong>nennt sich das Verfahren, wenn k\u00fcnstliche Intelligenz aus alten Schinken farbige Filme macht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>DeOldify is an open-source, Deep Learning based project to colorize and restore old images and film footage. DeOldify uses AI neural networks trained with thousands of reference pictures. <\/em><a href=\"https:\/\/github.com\/jantic\/DeOldify\"><em>https:\/\/github.com\/jantic\/DeOldify<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und so kann man <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qzc7vY9VTnk\">Hellzapoppin nun in Farbe<\/a> sehen. Auch wenn nicht alle Nuancen stimmen \u2013\u00a0das Ergebnis ist schon sehr beeindruckend, und r\u00fcckt die Vergangenheit ein wenig n\u00e4her an die Gegenwart, wie ich finde. <br \/>1941 war ein Jahr, in dem hierzulande der Krieg tobte und Nazi-Deutschland seine Macht \u00fcberall in Europa ausbaute. Und die deutsche Jugend lieber marschierte als tanzte. Unweigerlich stelle ich mir beim Anschauen des Films dann doch immer wieder die Frage: Was w\u00e4re denn wohl gewesen, wenn dieser Film in den deutschen Kinos gelaufen w\u00e4re? H\u00e4tten nicht vielleicht doch auch ein paar Deutsche Jazz und Tanzen cooler gefunden als das Marschieren? <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Hellzapoppin&#039; in full color |\u00a0Colorized with DeOldify\" width=\"660\" height=\"495\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/qzc7vY9VTnk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>So progressiv der Film auf den ersten Blick auch wirken mag, so sehr ist doch auch er Ausdruck des zeittypischen Alltagsrassismus der USA. Der Clip ist ein Ausschnitt aus einem ziemlichen absurden und zu Recht in Vergessenheit geratenen Film, in dem sonst nur wei\u00dfe Amerikaner vorkommen\u00a0\u2013 au\u00dfer eben in dieser Tanzszene, die f\u00fcr die Handlung aber eigentlich vollkommen \u00fcberfl\u00fcssig ist. Bis auf eine kurze Szene, wo ein Witz \u00fcber den Kontrabass gemacht wird (hahaha), kommen Schwarze und Wei\u00dfe nie gemeinsam ins Bild \u2013 diese Form der Rassentrennung war damals g\u00e4ngige Praxis in Hollywood. Die Kleidung der Musiker und T\u00e4nzer l\u00e4sst auf f\u00fcr Schwarze typische Berufe schlie\u00dfen: Dienstm\u00e4dchen, Chauffeur, Koch, Hausmeister \u2013\u00a0also Berufe, in denen sie Wei\u00dfen dienten.<br \/>Auf dem <a href=\"https:\/\/www.alamy.com\/stock-photo-hellzapoppin-top-from-left-ole-olsen-chic-johnson-martha-raye-bottom-72377165.html\">Filmplakat<\/a> (anders als der Film in Farbe) sind die T\u00e4nzer \u00fcbrigens als Wei\u00dfe abgebildet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 2006 stellte ich hier im Kontrabassblog eine damals noch junge Errungenschaft des Internets vor: \u201eEines der Portale, die in letzter Zeit im Internet f\u00fcr Furore sorgten, ist das Video-Portal\u00a0YouTube\u201c. Huch \u2013\u00a0es gab mal Internet ohne YouTube?!? 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