{"id":3082,"date":"2020-04-19T09:47:38","date_gmt":"2020-04-19T09:47:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=3082"},"modified":"2020-04-19T12:19:49","modified_gmt":"2020-04-19T12:19:49","slug":"falsche-freunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=3082","title":{"rendered":"Falsche Freunde"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Begriff, der momentan in aller Munde ist, ist das <strong>Homeoffice<\/strong>. Ein Anglizismus, klarer Fall. Aber native speakers kennen den Begriff gar nicht, oder nicht so, wie wir ihn hierzulande einsetzen, denn er bezeichnet das <strong>britische Innenministerium<\/strong>. Wer in Gro\u00dfbritannien Telearbeit nachgeht, arbeitet \u201efrom home\u201c, \u201eremotely\u201c, oder praktiziert \u201eremote working\u201c. Das Wort Homeoffice geh\u00f6rt also in die selbe Wortgruppe deutscher Sprachspezialit\u00e4ten wie Handy, Oldtimer, Talkmaster oder Beamer. Auch wir Musiker verwenden gerne und viele Anglizismen. Manchen Jazzmusikern sind viele Fachbegriffe im Englischen flie\u00dfend gel\u00e4ufig, die ihnen im Deutschen hingegen fremd sind. Und manche Begriffe haben gar keine deutsche Entsprechung: es <em>swingt<\/em> und es <em>groovt<\/em> nunmal besser, nicht alles zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein h\u00e4ufiger Fehler nicht nur in der Umgangssprache, sondern auch in der Fachliteratur ist die Verwechslung der Begriffe <strong>Note<\/strong> und <strong>Ton<\/strong> \u2013 was sicherlich damit zusammenh\u00e4ngt, dass nicht alle Sprachen diese Unterscheidung machen. W\u00e4hrend im Deutschen zwischen dem <strong>Ton<\/strong> und dem f\u00fcr einen Ton stehendes grafischen Zeichen \u2013 der <strong>Note<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0unterschieden wird, bezeichnet man im Englischen mit <strong>note<\/strong> sowohl den Ton, als auch das grafische Zeichen, w\u00e4hrend <strong>tone<\/strong> mit Klang oder Tonsignal \u00fcbersetzt wird. <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIt\u2019s not the note you play that\u2019s the wrong note \u2013 it\u2019s the note you play afterwards that makes it right or wrong<\/em>.\u201c <br \/>Auch <a href=\"https:\/\/www.deepl.com\/translator\">DeepL<\/a>, die wohl momentan leistungsf\u00e4hige \u00dcbersetzungssoftware, scheitert an diesem Zitat von Miles Davis: \u201eEs ist nicht die Note, die man spielt, die die falsche Note ist \u2013 es ist die Note, die man danach spielt, die es richtig oder falsch macht.\u201c<br \/>F\u00fcr die Improvisation von Jazz-Soli, \u00fcber die Miles Davis hier spricht, ist es ja gerade kennzeichnend, dass <em>keine <\/em>Noten reproduziert werden. Aber woher sollte der \u00dcbersetzungs-Algorithmus auch wissen, dass der Zitatgeber Jazzmusiker war?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Musikinstrumente haben ihre sprachlichen T\u00fccken. Oft liest man in Produktbeschreibungen von Instrumenten von <strong>Rosenholz<\/strong>-Griffbrettern. Gemeint ist aber in der Regel <strong>Palisander<\/strong>-Holz, das im Englischen den Namen <strong>Rosewood<\/strong> tr\u00e4gt \u2013\u00a0eine w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung dieses Namens bezeichnet also eine ganz andere Spezies. (Rosenholz wiederum wird als <em>Brazilian Tulipwood<\/em> bezeichnet, was zu Verwechslungen mit dem nordamerikanischen Tulpenholz f\u00fchren kann.)<br \/>Oft ist auch von der <strong>Br\u00fccke<\/strong> zu lesen \u2013 das Teil, das bei Gitarre, Geige und Kontrabass die Saiten mit der Decke verbindet, nennt sich zwar im Englischen <strong>Bridge<\/strong>, im Deutschen aber <strong>Steg<\/strong>. Selbst Begriffe, die sich w\u00f6rtlich korrekt \u00fcbersetzen lassen, bergen T\u00fccken: der <strong>Saddle<\/strong> hei\u00dft auch im Deutschen <strong>Sattel<\/strong>. Aber nur der Untersattel, der auf dem Unterklotz sitzt. Der Obersattel (am unteren Ende des Wirbelkastens) hingegen hei\u00dft <strong>Nut<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere h\u00e4ufige Verwechslung in der Umgangssprache von Musikern hat mit Fremdsprachen allerdings nichts zu tun. Wer f\u00fcr einen Auftritt ein Instrument oder eine PA-Anlage, oder f\u00fcr eine geplante Flugreise ein Kontrabass-Flightcase \u00fcberlassen bekommt, zahlt daf\u00fcr niemals <strong>Leihgeb\u00fchr<\/strong>, sondern immer Miete. Da eine Leihgabe als <em>unentgeltliche<\/em> \u00dcberlassung einer Sache definiert ist (B\u00fcrgerliches Gesetzbuch\/BGB \u00a7 598), handelt es sich bei dem Begriff <strong>Leihgeb\u00fchr<\/strong> um ein Oxymoron \u2013&nbsp;also um eine rhetorische Figur, bei der eine Formulierung aus zwei gegens\u00e4tzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschlie\u00dfenden Begriffen gebildet wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Begriff, der momentan in aller Munde ist, ist das Homeoffice. Ein Anglizismus, klarer Fall. Aber native speakers kennen den Begriff gar nicht, oder nicht so, wie wir ihn hierzulande einsetzen, denn er bezeichnet das britische Innenministerium. Wer in Gro\u00dfbritannien Telearbeit nachgeht, arbeitet \u201efrom home\u201c, \u201eremotely\u201c, oder praktiziert \u201eremote working\u201c. 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