{"id":2903,"date":"2018-12-03T16:06:14","date_gmt":"2018-12-03T16:06:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=2903"},"modified":"2018-12-03T16:07:48","modified_gmt":"2018-12-03T16:07:48","slug":"nepper-schlepper-bauernfaenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=2903","title":{"rendered":"Nepper, Schlepper, Bauernf\u00e4nger"},"content":{"rendered":"<p>Dass sich auf dem Markt f\u00fcr gebrauchte Instrumente auch Verk\u00e4ufer tummeln, die nicht immer ganz redlich agieren, ist hinl\u00e4nglich bekannt. Zwar kann man auf dem Gebrauchtmarkt durchaus auch Schn\u00e4ppchen machen \u2013\u00a0aber man sollte sich mit Kontrab\u00e4ssen etwas auskennen. Unerfahrene K\u00e4ufer sind schnelle Beute von solchen zwielichtigen H\u00e4ndlern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2905\" aria-describedby=\"caption-attachment-2905\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2905 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_3733-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2905\" class=\"wp-caption-text\">Ein Zettel mit JPEG-Artefakten?!<\/figcaption><\/figure>\n<p>K\u00fcrzlich kam eine Kundin mit einem alten Sperrholzbass zu mir. Auf den ersten Blick sah das alles ganz passabel aus: ein rund 50 Jahre alter Sperrholzbass aus Ostblock-Produktion zu einem Preis, der eigentlich markt\u00fcblich ist \u2013\u00a0auch wenn Griffbrett und Garnitur anders als vom Verk\u00e4ufer angegeben nicht aus Ebenholz sind. Als Saiten waren uralte Darmsaiten aufgezogen \u2026\u00a0ein erster Blick lie\u00dfen also neue Saiten sowie einen neuen Steg und einen neuen Stachel ratsam erscheinen, um ihn wieder spielbar zu machen. Damit summierten sich die Gesamtkosten dann aber auch schon zu einen Preis im vierstelligen Bereich, zu dem man auch einen neuen Sperrholzbass in tip-top Zustand bekommt \u2026 die Kundin begann ins Gr\u00fcbeln zu kommen.<br \/>\nEin Blick in den Korpus offenbarte einen ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen, rosafarben Zettel: \u201eBa\u00df- und Cellofabrikation \u2013\u00a0Markneukirchen, Sa. 1965\u201c. Das passte zwar sachlich zur Erscheinung des Basses \u2013 aber JPEG-Artefakte um die Buchstaben? 1965 gab es noch keine Scanner und Laserdrucker, und in der damaligen DDR erst recht nicht. So plump die F\u00e4lschung drucktechnisch daher kommt, so sorgf\u00e4ltig wurde anderseits versucht, das Bild stimmig abzurunden: an den R\u00e4ndern des Zettels wurden Farbkleckse angebracht, die sich auf dem Holz fortsetzen \u2013 ganz so, als h\u00e4tte der Zettel da schon geklebt, als der Bass mit dem Pinsel lackiert wurde und dabei etwas Farbe versehentlich durch die \u0192-L\u00f6cher tropfte. Nur wurde er gar nicht auf diese Weise lackiert, sondern mit der Spritzpistole und in einem r\u00f6tlichen Farbton, der mit den Farbklecksen rein nichts zu tun hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2904\" aria-describedby=\"caption-attachment-2904\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2904\" src=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7740-290x500.png\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7740-290x500.png 290w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7740-594x1024.png 594w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7740.png 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2904\" class=\"wp-caption-text\">In diesem Anzeigentext ist buchst\u00e4blich alles, bis auf die Tatsache, dass es sich um einen Bass handelt, erlogen \u2026<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer sich so viel M\u00fche macht, dem Bass ein einen anderen Anschein zu geben, hat meistens etwas zu verbergen. Ein Blick mit dem Spiegel ins Innere brachte Gewissheit: der Bassbalken ist auf halber L\u00e4nge nicht mehr mit der Decke verleimt und stand 2 cm ab. Wir machten den Bass auf, und es kam noch schlimmer: der Bassbalken war auch mit viel Kraft nicht dazu zu \u00fcberreden, wieder in Kontakt mit der Decke zu treten \u2013 so verzogen war diese inzwischen schon. Einfach Zwinge drauf und trotz alledem neu verleimen ist hier nicht ratsam: die dem innewohnende Spannung w\u00fcrde die Schichten der Sperrholzdecke wohl recht bald auseinander ziehen. Ein wirtschaftlicher Totalschaden.<br \/>\nF\u00fcr die Kundin ging die Geschichte dennoch gut aus: ihr n\u00e4chster Gang f\u00fchrte sie geradewegs zur Polizei, wo sie Anzeige gegen den Verk\u00e4ufer erstatte. Der lenkte nach nach anf\u00e4nglichen Z\u00f6gern in eine R\u00fcckabwicklung ein \u2013 aus Sorge um \u201eseinen guten Namen\u201c, wie er sagte (wie sich sp\u00e4ter herausstellen sollte, war aber auch sein Name falsch). Er bestand au\u00dferdem darauf, den Bass in wieder zugeleimten Zustand zur\u00fcckzunehmen, so dass davon auszugehen ist, dass er nicht weiter repariert werden soll und bald ein weiterer K\u00e4ufer auf diesem Schrotthaufen hereinfallen wird \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass sich auf dem Markt f\u00fcr gebrauchte Instrumente auch Verk\u00e4ufer tummeln, die nicht immer ganz redlich agieren, ist hinl\u00e4nglich bekannt. Zwar kann man auf dem Gebrauchtmarkt durchaus auch Schn\u00e4ppchen machen \u2013\u00a0aber man sollte sich mit Kontrab\u00e4ssen etwas auskennen. Unerfahrene K\u00e4ufer sind schnelle Beute von solchen zwielichtigen H\u00e4ndlern. 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