{"id":2011,"date":"2015-10-02T16:04:17","date_gmt":"2015-10-02T16:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=2011"},"modified":"2015-10-02T16:04:17","modified_gmt":"2015-10-02T16:04:17","slug":"fachliteratur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=2011","title":{"rendered":"Fachliteratur"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Geigenbau-B\u00fccher liegen momentan auf meinem Nachttisch, und beide haben, jedes auf seine Art, einen sehr pers\u00f6nlichen Einschlag, mit dem sie sich von anderem Fachb\u00fcchern unterscheiden.<br \/>\n<em><strong>\u201eGeigenbauschule\u201c<\/strong><\/em> ist eine Faksimile-Ausgabe des Berichtshefts, dass der Autor Andreas Zimmermann, Geigenbaumeister aus Berlin, w\u00e4hrend seiner Ausbildung Ende der 1970er Jahre an der Geigenbau-Schule in Mittenwald gef\u00fchrt hat. Ein Berichtsheft muss ja hierzulande jeder Azubi im Rahmen der Dualen Ausbildung f\u00fchren, und wochen- bzw. tageweise dokumentieren, welche Inhalte des betrieblichen Ausbildungsplans ihm vom Ausbilder tats\u00e4chlich vermittelt wurden. Die Lekt\u00fcre solcher Berichtshefte kann also eine ziemlich trockene Angelegenheit sein &#8211; gl\u00fccklicherweise ist das hier nicht der Fall; im Gegenteil: es vermittelt einen sehr detaillierten Einblick in den Geigenbau im Allgemeinen und von der Ausbildung in Mittenwald im Speziellen.<br \/>\nSo umfassend wie die Ausbildung in Mittenwald ist auch das Berichtsheft: \u00fcber das Herstellen und Zusammenf\u00fcgen der Teile einer Geige, \u00fcber das Lackieren und Einstellen des fertigen Instrumentes bis hin zu Reparatur-Methoden und dem Beziehen von B\u00f6gen ist alles akribisch festgehalten, und mit akkuraten Zeichnungen illustriert. Und da es ein Faksimile-Nachdruck ist, fehlen auch die Benotungen und Verbesserungen durch die Lehrer nicht.<br \/>\nGenau hier liegt aber auch die Schw\u00e4che des Buches: mit einer besseren technischen Aufbereitung und inhaltlicher Kommentierung h\u00e4tte man mehr draus machen k\u00f6nnen. Die Reproduktionen der Zeichnungen sind recht kontrastarm, bei vielen Scans schl\u00e4gt sogar das Wasserzeichen des Papiers durch. Die handschriftlichen Texte wurden nicht neu erfasst, sondern lediglich ebenso kontrastarm eingescannt. Die Handschrift des Autors ist nicht immer klar entzifferbar, und die Verkleinerung von A4 ins Buchformat tut ihr \u00fcbriges, um das Lesen zu erschweren. Auch hier w\u00e4re f\u00fcr eine bessere Lesbarkeit zumindest eine reprotechnische Optimierung der Scans notwendig gewesen, wenn schon auf einen Satz der Texte verzichtet wird. So bleibt das Buch eine zwar durchaus lehrreiche, aber ziemlich anstrengend zu lesende Bettlekt\u00fcre. Um im Duktus der Lehrer zu bleiben: \u201eBewertung des Berichts: 1; Bewertung des Buches: 4\u201c<\/p>\n<p>Das zweite Buch ist eine Neuerscheinung in englischer Sprache. <strong><em>\u201eViolin Varnish \u2013\u00a0notes and articles from the workshop of Koen Padding\u201c<\/em><\/strong> w\u00fcrdigt das Schaffen des 2012 verstorbenen niederl\u00e4ndischen Geigenbauers und Lackspezialisten Koen Padding.<br \/>\nPadding absolvierte seine Ausbildung zum Geigenbauer an der Newark School of Violin Making in Gro\u00dfbritannien. Seine Familie betreibt seit Generationen eine Fabrik zur Druckfarbenherstellung. So ist es nicht verwunderlich, dass er ein besonderes Faible f\u00fcr das Lackieren und die Lackherstellung entwickelte. Im Labor des elterlichen Betriebes hatte er eine Ecke eingerichtet, wo er forschte, Lackrezepte ausprobierte und weiterentwickelte. Die Ergebnisse seiner Arbeit brachte er als fertige Lacke unter dem Namen \u201eMagister\u201c auf den Markt, die von Kollegen in aller Welt begeistert aufgenommen wurden.<br \/>\nNach Paddings Tod wurde seine Werkstatt aufgel\u00f6st, und die Autorin des Buches, Helen Michetschl\u00e4ger, bekam es von der Familie erm\u00f6glicht, den geigenbauerischen Nachlass auszuwerten. Das Buch versucht, Koen Paddings Wissen \u00fcber Geigenlacke zusammenzutragen, und f\u00fcr die Nachwelt zu erhalten. Es ist keine vollst\u00e4ndige Anleitung zur Lackherstellung, es gelingt ihm aber, einen Einblick in Paddings Herangehensweise zu vermitteln. Es sammelt zahlreiche Artikel, die Padding f\u00fcr Fachzeitschriften verfasste, und erg\u00e4nzt sie durch Texte von Weggef\u00e4hrten und Kollegen. Es schlie\u00dft mit einer Auflistung der Materialien, die Padding zur Lackherstellung erwarb und die man in seinem Nachlass vorfand, und einer wissenschaftlichen chemischen Analyse seiner fertigen Lacke.<br \/>\nEin Buch vor allem f\u00fcr Lack-besessene Geigenbauer, aber auch interessierte Laien, die mehr \u00fcber Geigenlacke und ihre Herstellung erfahren m\u00f6chten.<\/p>\n<p><em>Geigenbauschule<\/em>, Andreas Zimmermann; Nora-Verlag, Berlin 2004<br \/>\n<em>Violin Varnish<\/em>, Hrg. Helen Michetschl\u00e4ger; Doratura Publications, Sale (UK) 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Geigenbau-B\u00fccher liegen momentan auf meinem Nachttisch, und beide haben, jedes auf seine Art, einen sehr pers\u00f6nlichen Einschlag, mit dem sie sich von anderem Fachb\u00fcchern unterscheiden. \u201eGeigenbauschule\u201c ist eine Faksimile-Ausgabe des Berichtshefts, dass der Autor Andreas Zimmermann, Geigenbaumeister aus Berlin, w\u00e4hrend seiner Ausbildung Ende der 1970er Jahre an der Geigenbau-Schule in Mittenwald gef\u00fchrt hat. 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