{"id":1855,"date":"2014-08-11T22:04:30","date_gmt":"2014-08-11T22:04:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=1855"},"modified":"2014-08-11T22:04:30","modified_gmt":"2014-08-11T22:04:30","slug":"kontrabass-preise-gestern-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?p=1855","title":{"rendered":"Kontrabass-Preise gestern und heute"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahrzehnten hat unser aller Lieblings-Instrument, der Kontrabass, unzweifelhaft an Popularit\u00e4t gewonnen. Noch nie gab es an den Musikschulen so viel Kontrabass-Unterricht wie heute. Aber noch immer ist ein Kontrabass eine vergleichsweise teure Anschaffung. Wie wirkt sich der gr\u00f6\u00dfer gewordene Nachfrage auf die Preise aus?<\/p>\n<p>Ein Blick in alte Kataloge bringt dazu interessantes zu Tage: im GEWA-Katalog aus dem Jahr 1960 kostet ein einfacher Sperrholzbass mit Hartholz-Griffbrett 494,\u2013 DM, ein gut geflammter, vollmassiver Bass mit Ebenholz-Griffbrett 980,\u2013 DM. Umgerechnet in Euro w\u00e4ren das rund 250,\u2013 \u20ac bzw. 500,\u2013 \u20ac. Klingt g\u00fcnstig \u2013 aber waren das wirklich Schn\u00e4ppchen-Preise?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/?attachment_id=1856\" rel=\"attachment wp-att-1856\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1856\" src=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/GEWA-1960-22-BassCello-500x437.jpg\" alt=\"GEWA-1960-22-BassCello\" width=\"500\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/GEWA-1960-22-BassCello-500x437.jpg 500w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/GEWA-1960-22-BassCello-1024x896.jpg 1024w, https:\/\/www.kontrabassblog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/GEWA-1960-22-BassCello.jpg 1338w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eher nicht: 1960 lag das Brutto-Jahreseinkommen in der BRD bei 3144,\u2013 \u20ac. 2013 lag der Wert mit 31.089,\u2013 \u20ac ungef\u00e4hr beim 10-fachen. Daran gemessen bzw. hochgerechnet lag der Sperrholzbass bei rund 2.500,\u2013 \u20ac, und der Vollmassive bei 5.000,\u2013 \u20ac. Sperrholzb\u00e4sse sind also seit 1960 effektiv deutlich g\u00fcnstiger geworden, w\u00e4hrend ein gut geflammter, vollmassiver Bass aus deutscher Fertigung heute kaum noch f\u00fcr 5.000,\u2013\u20ac zu haben ist. Allerdings liegt das auch daran, dass die heimischen Bassbauer die unteren Preissegmente den Importen aus Osteuropa und China \u00fcberlassen, die eben diese Kategorie bereits ab 2.000,\u2013 \u20ac anbieten k\u00f6nnen. Der Preis eines GEWA-Meisterbasses lag 1960 bei 1.580,\u2013 DM \u2013 das w\u00e4ren nach heutiger Kaufkraft rund 8.000,\u2013\u20ac. Das ist auch das, was man heute ungef\u00e4hr f\u00fcr einen guten Meisterbass hinlegen muss.<\/p>\n<p>Zum Vergleich einige Preise aus dem Jahre 1960:<\/p>\n<ul>\n<li>Bild-Zeitung: 10 Pfennig<\/li>\n<li>1 l Benzin: 60 Pfennig<\/li>\n<li>250 g Butter: 1,62 DM<\/li>\n<li>Rundfunkgeb\u00fchr\/GEZ: 7 DM mtl.<\/li>\n<li>Opel Kapit\u00e4n L (75 PS): 10.250 DM<\/li>\n<li>Glas Bier im Jazzkeller Frankfurt: 1 DM<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch schwieriger einzusch\u00e4tzen und umzurechnen sind die Preise, die man in Katalogen aus den 1920er Jahren findet \u2013\u00a0zu sehr haben sich die Lebensverh\u00e4ltnisse und Lebenshaltungskosten seit dem ver\u00e4ndert. Ein Katalog der Fa. Wunderlich aus Markneukirchen verzeichnet folgende Preise:<\/p>\n<ul>\n<li>Kontraba\u00df, gew\u00f6hnlich, Birnbaum-Garnitur \u2026\u00a0135 Goldmark<\/li>\n<li>Kontraba\u00df, gew\u00f6lbt, Ebenholz-Garnitur \u2026\u00a0200 Goldmark<\/li>\n<li>Kontraba\u00df, allerfeinstes Holz, tadellose Arbeit, beste Ebenholz-Garnitur \u2026\u00a0400 bis 750 Goldmark<\/li>\n<li>K\u00fcnstler-Ba\u00dfbogen \u2026 30,\u2013 bis 100,\u2013 Goldmark<\/li>\n<li>Tiroler Mechanik, Messing \u2026 13,\u2013 Goldmark<\/li>\n<li>Ba\u00df-\u00dcberzug, sackartig, bestes Segeltuch \u2026 20,\u2013 Goldmark<\/li>\n<li>Kolophon \u2026 \u2013,25 bis 1,\u2013 Goldmark<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Diese Preise beziehen sich \u00fcbrigens auf 4-saiter (E-A-D-G) in 3\/4-Gr\u00f6\u00dfe. Die damals noch gleichberechtigt angebotenen 3-saiter (in Quintstimmung G-D-A) waren 5% g\u00fcnstiger. Zudem f\u00e4llt auf, das damals nur teurere B\u00e4sse mit Ebenholz-Griffbrettern ausgestattet wurden \u2013 f\u00fcr die einfachen Instrumente war ein Birnbaum-Griffbrett \u00fcblicher Standard.<\/p>\n<p>Wenn man Euro statt Goldmark annimmt, und noch eine Null an die Preise dranh\u00e4ngt, kommt man den heutigen Preisen verbl\u00fcffend nahe. Das Preisgef\u00fcge hat sich in 100 Jahren nur wenig ver\u00e4ndert, wenn man davon absieht, dass die einfachen Einsteiger-B\u00e4sse heute aus Sperrholz sind und nicht mehr vollmassiv wie damals. Ein durchschnittliches Monatsgehalt lang Ende der 1920er Jahren bei rund 90 Reichsmark \u2013\u00a0f\u00fcr einen einfachen Bass musste ein Durchschnittsverdiener also zwei Monate arbeiten.<\/p>\n<p>Nicht nur die Preise haben sich also ge\u00e4ndert, auch die Produkte und Ausstattungen. W\u00e4hrend es vor 100 Jahren keine Alternative zur Darmsaite gab (E\/A umsponnen, D\/G blank), gibt es heute eine Vielzahl von Saitentypen und Materialien f\u00fcr Kern und Umspinnung. Stahlsaiten wurden erst nach dem 2. Weltkrieg popul\u00e4r, und waren zun\u00e4chst deutlich teurer als Darmsaiten. 1960 kostete in Satz Thomastik Spirocore 63,30 DM. Also um die 30,\u2013 \u20ac, aber gemessen am durchschnittlichen Jahreseinkommen entspr\u00e4che das heute 300,\u2013 \u20ac. Um die Mehrwertsteuer bereinigt sind Spirocore-Saiten heute also nur noch halb so teuer wie 1960.<\/p>\n<p><em>Vielen Dank an Stefan Lob (<a href=\"http:\/\/schlaggitarren.de\" target=\"_blank\">www.schlaggitarren.de<\/a>) f\u00fcr Kopien alter\u00a0Kataloge.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahrzehnten hat unser aller Lieblings-Instrument, der Kontrabass, unzweifelhaft an Popularit\u00e4t gewonnen. 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