Das Jazzinstitut Darmstadt fasst in seinem Pressespiegel einige Stimmen zusammen und gibt einen anschaulichen Überblick über den Stand der Diskussion:
Der Saxophonist Michael Hornstein hat in einem langen Artikel für eine führende deutsche Tageszeitung eine erhitzte Debatte unter Musikern und der deutschen Jazz-Community angefacht, in dem er behauptet, der Jazz habe in Deutschland jegliche gesellschaftliche Relevanz verloren (Süddeutsche Zeitung; der Artikel ist nicht frei online zu lesen, findet sich aber mittlerweile auch anderswo). Im Prinzip behauptet Hornstein, dass im deutschen Jazz in den letzten 20 Jahren nichts Interessantes mehr passiert sei; dass die einzigen Leute, die durch Jazz etwas verdienen würden, Journalisten, Konzertveranstalter und Jazzinstitute (!) seien; dass Musiker kaum noch Rundfunk-Jobs erhielten; dass Lehrer an Hochschulen mit Jazzabteilungen meist selbst nie professionelle Musiker gewesen seien; dass zu viele Musiker lieber Eigenkompositionen als Standards spielten; dass Musiker über 40 es schwer hätten, ein Engagement zu ergattern und auch von der öffentlichen Hand, also beispielsweise dem Goethe-Institut kaum gefördert würden; dass die Musiker sich an ästhetischen Konzepten von gestern festklammerten und seit den frühen 1990er Jahren nichts Neues mehr entwickelt hätten… und so weiter und so fort … Wie könne man da also erstaunt sein, dass das Publikum dem allem nicht mehr folge. Puh! Jede dieser Behauptungen verdient zumindest ein riesiges Fragezeichen, eigentlich aber vehementen Einspruch. Hornstein ist selbst Musiker und es wäre billig, diesen Artikel nur auf persönliche Frustrationen seinerseits zurückzuführen. Was uns viel mehr erstaunt ist: Wie kann ein so schlecht recherchierter Artikel in einer führenden deutschen Tageszeitung wie der Süddeutschen erscheinen? Continue reading ‘Der deutsche Jazz in kontroverser Diskussion’

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