Kauf eines Basses

Viele, die sich für die Anschaffung eines Kontrabasses interessieren, spielen bereits ein anderes Instrument, z. B. Gitarre oder E-Bass. Der Einstieg in die Welt des Kontrabass’ gestaltet sich in der Regel ungleich kostspieliger: gemessen an den Preisen, die man für einen E-Bass aus Massenproduktion zahlt, muss man selbst für einen einfachen Kontrabass ein Vielfaches mehr bezahlen. Während man für 1.000,– bis 1.500,– Euro schon einen E-Bass der gehobenen Kategorie bekommt, sind Kontrabässe dieser Preisklasse noch eher einfache Instrumente. Auch die laufenden Kosten und die Zubehör-Preise sind höher. So kostet z.B. ein Satz guter Stahlsaiten ab 120,– Euro; Darmsaiten sind erst ab 250 Euro zu haben.

Für dem Kauf eines teuren Kontrabasses sollte man sich unbedingt etwas Zeit nehmen. Es gibt in Deutschland nur wenige auf Kontrabässe spezialisierte Händler bzw. Werkstätten, die eine größere Zahl alter und neuer Instrumente unterschiedlicher Hersteller zur Auswahl haben. Ein Gang zum Spezialisten lohnt sich aber auf jeden Fall, und sei es nur dazu, einen ersten Überblick über Instrumente und Preise zu bekommen. Allgemeine Musikgeschäfte und Geigenbauer haben, wenn überhaupt, nur einzelne Bässe vorrätig. Die Bässe werden von nicht spezialisierten Musikgeschäften und Versandhändlern zudem so angeboten, wie sie vom Hersteller oder Großhändler ausgeliefert werden: nur grob eingerichtet und nur mit einfachen Saiten ausgestattet – also oft noch mehr oder weniger unspielbar. Aber auch für die meisten Geigenbauer-Meisterwerkstätten hat der Kontrabass einen geringeren Stellenwert als Geigen, Bratschen und Celli. Bässe brauchen mehr Platz, ihre Herstellung nimmt mehr Muskelkraft und Material in Anspruch, und im Vergleich zu Geigen, Bratschen und Celli sind ihre Preise niedriger – das macht sie für Geigenbauer weniger attraktiv. Gleichzeitig gibt es eine Reihe von Kontrabass-Spezialisten, die diese Nische nutzen und sich auf zum einen auf den Bau, zum anderen auf die Restaurierung, Einrichtung und Handel von Kontrabässen spezialisiert haben.

Gerade wenn man bisher noch keine Erfahrung mit dem Kontrabass hat, sollte man nicht darauf verzichten, so viele verschiedene Bässe wie möglich auszuprobieren. Oft sind Kontrabasslehrer hilfsbereite und kompetente Berater, die bei der Suche und der Auswahl weiterhelfen können. Nicht selten kommen über Lehrer auch Kontakte zustande, wenn in ihrem Schüler- oder Kollegenkreis ein Bass zu verkaufen ist. In den Kleinanzeigenteilen von Zeitungen und Zeitschriften, in Zeitungen mit kostenlosen Kleinanzeigen und bei Internet-Auktionen werden hin und wieder günstige, aber auch viele überteuerte und reperaturbedürftige Instrumente angeboten. Manchen gelingt hier ein Schnäppchen, aber ohne Erfahrung und Sachkenntnis ist die Gefahr, Ramsch zu erwerben, doch recht groß.

Neben der Verarbeitung sind die verwendeten Materialien von entscheidender Wichtigkeit für die Qualität eines Instrumentes. Kontrabässe lassen sich aufgrund des verarbeiteten Holzes grob in zwei Qualitäts-Kategorien einteilen: furnierte und massive Bässe. Bei massiven Bässen wird die Wölbung der Decke aus dem vollen Holzblock, in der Regel Fichte, herausgearbeitet, was sehr arbeits- und materialintensiv ist, bei einfacheren massiven Instrumenten auch in Form gepresst. Für die Zargen, den Boden und den Hals wird ebenfalls massives Holz, hier zumeist Ahorn, verwendet. Gutes Tonholz wird über Jahre oder sogar Jahrzehnte luftgetrocknet, bis es für den Instrumentenbau verwendet wird. Stark geflammtes Ahornholz ist aufgrund seiner interessanten Optik das begehrteste.
Bässe aus mehrlagigem, furnierten Holz werden auch als „Sperrholz-Bässe“ bezeichnet. Die Decken- und Bodenwölbung wird dabei durch maschinelle Pressen geformt. Für furnierte Bässe spricht neben dem günstigeren Preis ihre Robustheit. Während massiven Bässen ständig Risse drohen, die z. B. durch unvorsichtigen Transport oder Witterungseinflüsse hervorgerufen werden, ist das mehrlagig verleimte Sperrholz gegen diese Schäden weitgehend unempfindlich. Aber obwohl es auch sehr gut klingende Sperrholzbässe gibt, läßt sich ein bestimmtes, klassisches Klangideal meist nur in massiver Bauweise erzielen. I. d. R. ist der Klang massiver Bässe obertonreicher, während Sperrholzbässe etwas dumpfer klingen. Hochwertige Bässe werden deswegen stets massiv hergestellt. Preislich wie qualitativ zwischen beiden Kategorien liegen die sogenannten halbmassiven (hybriden) Bässe, die zwar eine massive Decke, aber Boden und Zargen aus furniertem Holz haben.

Für das Griffbrett ist Ebenholz die erste Wahl. Aus Kostengründen finden auch andere Hölzer, wie zum Beispiel Palisander (engl.: Rosewood) Verwendung. Manchmal sind diese dann aus kosmetischen Gründen schwarz gebeizt. Als High-Tech-Alternative zum teuren Ebenholz werden inzwischen auch Griffbretter aus Graphitmaterialien angeboten. Sie haben sich aber bisher noch nicht auf dem Markt etablieren könnnen.
Ebenholz aus Madagaskar gilt als das beste, jedoch darf es aufgrund strenger Exportbestimmungen nicht mehr exportiert werden. Aber auch in Westafrika werden die Ressourcen zunehmend knapper. Deswegen steigen die Preise für gutes Ebenholz kontinuierlich – ein Griffbrettrohling in bester Qualität kann heute schonmal mehr als ein Kontrabass der Einstiegsklasse kosten …

Unterschiede gibt es zwischen Instrumenten aus handwerklicher und solchen aus industrieller Serienfertigung. Während die Deckenwölbung traditionell aufwendig von Hand ausgearbeitet wird, kann sie heute auch maschinell gefräst, oder zumindest vorgefräst und dann per Hand nachbearbeitet werden. Auch bei der Lackierung hat Automation Einzug gehalten. Während eine traditionelle Lackierung auf Öl- oder Spiritusbasis in mehreren Lagen von Hand aufgetragen und zwischengeschliffen wird, kommen in der Serienfertigung einfacher zu verarbeitende und schnell trocknende Lacke zur Verwendung. Zunächst waren dies vorallem Nitrocellulose-Lacke, heute meistens Desmodur- und Polyurethan-Lacke.

Viele Bassisten bevorzugen statt einem neu angefertigten Kontrabass ein einige Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte altes Instrument. Für alte Meisterinstrumente aus dem 18. und 19. Jahrhundert zahlen Sammler mitunter horrende Summen. Bässe mit „mit Zettel“ (ein kleines Papieretikett des Erbauers im Inneren des Korpus) und historischer interessanter Herkunft erzielen hohe Liebhaberpreise. Allen voran alte italienische, aber auch französische, englische und deutsche Bässe sind sehr begehrt. Aber obwohl das Alter des verwendeten Tonholzes ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist, sind alte Bässe nicht in zwangsläufig „besser“ als neue. Bassbauer sind heute in Lage, ebenso hervorragende Instrumente zu bauen wie die Meister vergangener Jahrhunderte. Wichtiger als allein das Alter sind Können, Sorgfalt und Erfahrung des Bassbauers und die Qualität der verwendeten Tonhölzer. Und wie ein Bass dann klingt, hängt nicht unwesentlich davon ab, ob und wie er gespielt wird. Denn Bässe brauchen ein paar Jahre als Einspielphase. Die einzelnen Bestandteile eines Basses haben eigene, unterschiedliche Resonanzen, die sich gegenseitig „im Weg“ sein können. Mit der Zeit schwingen sie sich aufeinander ein. Diesen komplexen Vorgang der „akustische Entdämpfung“, den ein altes Instrument durch jahrzehntelangen Gebrauch erfahren hat, läßt sich inzwischen mit Hilfe mechanischer Geräte (Gleichstrommotoren mit Unwucht) nachzuvollziehen, indem das Instrument gezielt in Schwingungen versetzt wird. Durch dieses Verfahren der „Vibrationsentdämpfung“ (abgekürzt auch „VED“), dass Prof. von Reumont in den 1970er Jahren entwickelt hat, läßt sich der Einspielvorgang bei Musikinstrumenten beschleunigen, und so eine Klangverbesserung erzielen.

Bekommt man einen älteren, massiven Bass angeboten, sollte man ihn zuerst auf eventuell vorhandene Risse in Decke, Boden oder Zarge hin untersuchen. Fast jeder alte Bass hat Risse, und solange ihre Anzahl überschaubar ist, sind sie nicht zwangsläufig wert mindernd – solange sie denn fachmännisch repariert wurden. Manche Risse lassen sich durch die ƒ-Löcher reparieren. In vielen Fällen muaa zur Reparatur jedoch die Decke oder der Boden abgenommen werden. Wenn niemand zuvor mit ungeeigneten Tischler-Leimen an dem Bass herumgepfuscht hat, geht das recht problemlos. Denn professionelle Geigen- und Bassbauer verwenden Haut- oder Knochenleim, der sich unter Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit einfach wieder lösen läßt. Trotzdem ist es immer noch aufwendig genug, um eine solche Reparatur schnell einige Hundert Euro kosten zu lassen. Schwerwiegender und teurer ist ein verzogener Hals, der sich nur selten richten lässt und gegen einen neuen ausgetauscht werden muss. Einen verzogenen Hals erkennt man leichter, wenn man von oben über Schnecke und Griffbrett an den Saiten entlang über den Bass schaut. Bei älteren, wertvollen Instrumenten wird diese Reparatur üblicherweise als sog. Anschäfter ausgeführt, wobei der ursprüngliche Wirbelkasten samt Schnecke wieder an den neuen Hals angesetzt wird. So wird der originale, historische Zustand des Instruments weitgehend beibehalten.

Wenn ein Bass schlecht oder sogar unspielbar eingerichtet ist, lässt sich das Klangpotential nur unzureichend beurteilen. Das gilt leider für alte wie neue Bässe gleichermaßen. Ist das Griffbrett schlecht abgerichtet, äußert sich das mit Klappern oder Schnarren der Saiten. Das Griffbrett muss dann von erfahrener Hand neu abgezogen (gehobelt) werden. Wenn es von zu schlechter Qualität oder bereits zu dünn ist, muss es durch ein Neues ersetzt werden. Dabei ist es i. d. R. erforderlich, auch einen neuen Steg aufzupassen, und den Stimmstock neu einzurichten. Ein neuer Steg ist auch dann erforderlich, wenn sich der alte bereits zum Griffbrett hin nach oben durchbiegt. Ein solcher Steg könnte unter dem Zug der Saiten umkippen, und dabei die Decke schwer beschädigen.

Für einen Musiker sollte neben den Material- und Verarbeitungsqualität natürlich der Klang eine zentrale Rolle bei der Beurteilung des Basses spielen. Ein Bass sollte auf allen Saiten und in allen Lagen ausgeglichen klingen. Neben einem runden, kräftigen Ton sind auch die Ansprache und die Klangdauer (engl. Sustain) wichtig. Da der Klang sich nach vorne stärker ausbreitet als nach oben, ist die Wahrnehmung als Spieler eine andere als als Zuhörer in einigen Schritten Entfernung. Deshalb hilft es, bei der Beurteilung eines Basses diesen auch von einem Kollegen vorspielen zu lassen, und die verschiedenen Eindrücke zu vergleichen. Die Raumakustik spielt ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle. Wenn man in eine Zimmerecke hineinspielt, wird einiges mehr zu den eigenen Ohren reflektiert, als wenn man inmitten des Raumes steht.

Ein tückisches Problem, das Streichinstrumente im allgemeinen, und Celli im Besonderen aufweisen können, sind die sogenannten Wolftöne (auch Wölfe oder Bullertöne genannt). Dabei handelt es sich um Doppel- bzw. Mehrfachresonanzen, die sich auf bestimmte Frequenzbereiche und Töne beschränken und als unkontrollierte Buller- oder Jaultöne das Spielen beeinträchtigen. Außerdem werden Resonanzschwächen bestimmter Frequenzbereiche (also Töne, die schlecht ansprechen, leiser und mulmig-bassig klingen) als Wölfe bzw. falsche Wölfe bezeichnet. Beim Kontrabass ist der Wolf häufig im Bereich des Tons A anzutreffen; seltener zwischen G und H. Im günstigsten Fall kann bereits ein Wechsel der Saiten bzw. des Saitenfabrikats Abhilfe schaffen. Auch die Saiten zwischen Steg und Saitenhalter schwingen mit. Wenn sie als Ursache des Wolfes ausgemacht werden, kann man sie durch speziell hierfür angebotene Wolftöter in Form von Metallröhrchen, die aufgeschraubt werden, dämpfen, oder alternativ einen stimmbaren Saitenhalter verwenden, mit dem sich die (mitschwingende) Saitenlänge unterhalb des Steges einstellen (stimmen) lässt. In ungünstigen Fällen kann die Suche nach dem Ursprung des Wolfes sehr langwierig sein. Weitere häufige Verursacher sind z. B. ein zu dünnes Griffbrett, das mitschwingt, eine loser Bassbalken oder ein zu leichter Saitenhalter. Auch bestimmte Regionen der Decke (häufig im Bereich zwischen Bassbalken und ƒ-Loch) können durch ihr Resonanzverhalten Wölfe hervorrufen. Durch ein Dämpfen dieses Bereichs mit einen im Korpusinneren angebrachten Gewichts als Wolfdämpfer läßt sich diesem Problem begegnen. Hierfür kommen neben Gewichten, die von innen dauerhaft eingeklebt werden, auch starke Magnete in Frage, die, einer im Inneren, der andere außen sitzend, den betreffenden Bereich der Decke gezielt dämpfen.

5 Antworten auf Kauf eines Basses

  1. Edocsyl sagt:

    Top Artikel!

  2. Falou sagt:

    Ich spiele bereits Klavier und wu00fcrde gerne auf Kontrabass umsteigen. Was mich allerdings besonders reizt ist der elektrische Sound, also E-Kontrabass. Muss man dafu00fcr dann spezielle Verstu00e4rker kaufen oder kann man nen Kontrabass auch direkt an solche Subwoofer anschlieu00dfen: http://www.lautsprechertest.de/subwoofer/nnnDie haben doch bestimmt nen eingebauten Verstu00e4rker oder? Sorry fu00fcr die blu00f6de (?) Frage, aber ich will mir eh ne Anlage zulegen und da dachte ich ku00f6nnte mit 2 Klappen eine Fliege schlagen? Bin halt nicht so die Technik-Versteherin. u00dcber ne kurze Antwort wu00fcrd ich mich freuen. Danke. 🙂

    • besserwisserweissbesser sagt:

      ne den kannst sicher nicht einfach an nen sub anschliessen! e-kontrabu00e4sse klingen nie so gut wie ein guter kontrabss mit mic/PU..naber weiss ja nicht was du machen willst 😉

  3. Pat sagt:

    Danke fu00fcr den Beitrag. Hat mich wieder ein Stu00fcckchen meinem ersten Kontrabass nu00e4her gebracht!

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