Verstärker und Lautsprecher

Instrumentalverstärker bestehen üblicherweise aus vier Komponenten: dem Vorverstärker (engl. Preamp), der Klangregelung, der Leistungs-Endstufe (dem eigentlichen Verstärker, engl. Power Amp) und den Lautsprechern. Kompakte Verstärker, bei denen alle Komponenten in einem Gehäuse untergebracht sind, werden als Combo- oder Koffer-Verstärker bezeichnet. Verstärkeranlagen, die sich aus einer oder mehreren Lautsprecher-Boxen und einem getrennten Verstärker-Topteil (engl. „amp head“) zusammensetzten, werden „Stack“ genannt. Die aufwendigste Variante stellt ein Verstärker-„Rack“ dar. Die einzelnen Komponenten wie Vorverstärker, Klangregelung, Endstufe und ggf. Effektgeräte werden dabei als einzelne Geräte in ein Gehäuse, meist ein genormtes sog. 19″-Rack, eingebaut und miteinander verkabelt.
Für die meisten Kontrabassisten sind aber die kompakten Combo-Verstärker die komfortabelste Lösung. Ein Stack oder Rack macht vorallem für die Bassisten Sinn, die einzelne Komponenten flexibel für verschiedene Instrumente (E-Bass, Kontrabass, Electric Upright) und Anlässe (Jazzclub, Turnhalle, Gala) einsetzen möchten.

Den wohl ersten elektrischen Verstärker für Kontrabass gab es bereits, als der E-Baß noch gar nicht erfunden war: 1946 brachte die Firma Ampeg den „Bassamp“ als Ergänzung für ihren Kontrabasstonabnehmer auf den Markt. In einem mit Mahagoni furnierten Gehäuse steckte ein 12″-Lautsprecher und ein Röhrenverstärker mit 18 Watt.

Obwohl es heute zahlreiche Tonabnehmer für die elektrische Verstärkung von Kontrabässen gibt, hält sich die Zahl der speziell hierfür konzipierten Verstärker in Grenzen. Den ersten und lange Zeit einzigen speziellen Verstärker für (Kontrabass-)Piezo-Tonabnehmer brachte Walter Woods Anfang der 1970er Jahre heraus. Über die Jahrzehnte ständig weiterentwickelt, stellt Walter Woods seine inzwischen legendären Amp-Heads bis heute nur auf Bestellung und in Kleinserien her. Seine Modelle haben zwei (oder mehr) Kanäle, und sind vorallem sehr klein und kompakt gebaut – ein wichtiges Argument für Kontrabassisten.
Ende der 1960er Jahre kam die Firma Polytone mit den Mini-Brute-Verstärkern auf den Markt. Sie wurden damals sowohl bei Jazzgitarristen als auch Kontrabassisten schnell beliebt. Angeboten werden sie als kompakte Combo-Amps mit 12″- oder 15″-Lautsprechern. Sie hatten in den ersten Jahren neben der Lautstärkeregelung nur eine einfache Bass- und Höhen-Klangregelung.
In den 1980ern brachte die Firma Gallien-Krueger einem sehr kompakten Combo-Amp heraus. Die Verstärker-Elektronik und ein 12″-Lautsprecher sind in einem handlichen Metallgehäuseuntergebracht. Bis heute ist der GK MB112 einer der kleinsten erhältlichen Combo-Bassamps. Trotz seiner Poularität unter Kontrabassisten gehört der GK MB112 eher in die Kategorie der typischen E-Baßverstärker, denn der Vorverstärker und die Eingangsimpedanz sind für die meisten Kontrabasstonabnehmer eigentlich nicht optimal.
Inzwischen gibt es neben den Klassikern von Woods, Polytone und GK eine ganze Reihe von Verstärkern, die unter Kontrabassisten beliebt sind. Ende der 1980er Jahre brachte Glockenklang einen ebenso edlen wie teuren Baß-Verstärker im 19″-Format, den BassArtTop-Verstärker, auf den Markt. Speziell für Kontrabass kam ergänzend die AcousticArtBox auf den Markt, die auch gerne mit Verstärkern anderer Hersteller zusammen verwendet wird. Einige ansonsten auf E-Baß-Verstärker spezialisierte Hersteller bieten kleine, kompakte Combo-Verstärker an, die vorallem wegen ihrer geringen Abmessungen bei Kontrabassisten populär sind. Die Modelle Baby Blue und Workingman’s des amerikanischen Herstellers SWR, der EBS Drome aus Schweden, der Euphonic iAmp 350 und die italienischen Markbass-Amps gehören in diese Kategorie. Auch der Verstärker-Pionier Ampeg bietet inzwischen wieder interessante, kompakte Modelle an.
Bei manchen Verstärkern mit für E-Baß optimierter Klangregelung lässt sich der Sound verbessern, indem man den internen Vorverstärker umgeht und den Tonabnehmer mit einen besser geeigneten, externen Vorverstärker über den Effekt-Einschleifweg („effect in“, „slave in“, „return“) anzuschließt.

In den letzten Jahren sind schließlich auch einige weitere spezielle Kontrabassverstärker auf den Markt gekommen. Die vorallem von Verstärkern für akustische Gitarren bekannte Firma AER bietet mit dem Basscube und dem Bassic Performer Akustik-Baßverstärker an, der neben dem üblichen Eingang für einen Tonabnehmer auch einen Kanal für ein Mikrofon bieten. Ebenfalls einen zusätzlichen Mikrofon-Kanal bietet der California Blonde der schon erwähnten Firma SWR. Als einer der wenigen speziell für den Kontrabass entwickelten Geräte kam Ende der 1990er der „Contra“ der Firma Acoustic Image auf den Markt. In einem kompakten, zylindrischen Gehäuse steckt neben einem Hochtöner ein nach unten gerichteter Lautsprecher. Dieser befindet sich rund 7 cm über dem Boden, und strahlt den Schall nach unten ab, wodurch sich der Klang gleichmäßiger im Raum verteilt.
Der deutsche Bassist und Elektroingenieur Michael Zadow hat dieses Subwoofer-Prinzip aufgegriffen, und bietet mit seinem ze200 ein leistungsstarken, speziellen Kontrabass-Amp mit ebenfalls nach unten gerichteten Lautsprecher an. Mit 300W, die zum Schutz der Lautsprecher und der Elektronik auf 200W begrenzt werden, bietet er ausreichend Leistungsreserven. Eingangsimpedanz und Klangregelung des ze200 sind optimal auf Piezo-Tonabnehmer abgestimmt.

Neben E-Baßverstärkern und speziellen Kontrabassverstärkern bieten sich als Alternative auch Kombinationen aus PA-Monitoren (bzw. Aktiv-Monitorboxen) und externen Preamps an. Herkömmliche E-Baßverstärker sind auf E-Baß-Frequenzen hin optimiert, und können das Klangspektrum eines Kontrabasses nicht verfärbungsfrei reproduzieren. Je nach Linearität des Tonabnehmersystems kann sich das vor- oder nachteilig auswirken. Manche Tonabnehmer-Hersteller wie z. B. Schertler und Kurmann empfehlen deswegen ausdrücklich, die von ihnen angebotenen Tonabnehmer besser mit einer linear arbeitenden Aktiv-Monitorbox anstelle eines (E-)Bassverstärkers einzusetzen. Aber auch mit anderen Tonabnehmermodellen können Aktivboxen durchaus eine gute Alternative zum herkömmlichen Bassverstärker sein.

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