Mit dem Kontrabass in der Bahn unterwegs

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Letzte Woche reiste ich per Bahn zu einem Auftritt am anderen Ende der Republik, nach Pommern. Im Nahverkehr bin ich ja regelmäßig mit Bass unterwegs, aber bei weiteren Strecken gebe ich meistens dem Auto den Vorzug, denn zum Bass kommen ja in der Regel auch noch Verstärker und andere Dinge, die man unmöglich als Bahnreisender alleine transportieren kann.

Im Nahverkehr hatte ich bislang keine Probleme mit dem sperrigen Transportgut. Die S-Bahnen und Regionalexpress-Züge, die die Bahn im Rhein-Main-Gebiet einsetzt, haben allesamt großzügige Bereiche, die für Gepäck, Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder ausgewiesen sind – von außen erkennbar an dem großen Fahrrad-Piktogramm auf den Waggons. Die Mitnahme eines Fahrrads ist bei uns im Preis explizit inbegriffen, allerdings sind die Fahrpreise hier vergleichsweise hoch; in den meisten deutschen und europäische Metropolen ist man günstiger unterwegs. Mit Fahrrad wird man aber dennoch von anderen Fahrgästen recht oft angepöbelt – ein Fahrrad im Zug ist aus welchen Gründen auch immer ziemlich provokant. Mit Kontrabass ist mir das aber noch nicht passiert; zumindest im Frankfurter Nahverkehr scheint er ein Sympathieträger zu sein.

Ganz anders sieht es im Fernverkehr aus. In den ICEs der Deutschen Bahn gibt es keine Gepäckabteile, und auch sonst fehlt es an Raum für Gepäck. Die Mitnahme von Fahrrädern ist generell untersagt, und Kinderwagen müssen zusammengeklappt werden. Da wundert es nicht, dass Kontrabässe nicht gern gesehen sind – obwohl sie eigentlich erlaubt sind. Die Bahn unterscheidet in ihren Beförderungsbestimmungen zwischen Handgepäck und Traglasten. Als Handgepäck gelten leicht tragbare Gegenstände, die unter bzw. über dem Sitz untergebracht werden können. In diese Kategorie fällt ein Kontrabass nicht – er ist eine sogenannte Traglast:

„Neben Handgepäck darf der Reisende ein Stück Traglast mit sich führen. Traglasten sind Gegenstände, die – ohne Handgepäck zu sein – von einer Person getragen werden können. Gegenstände, die andere Reisende behindern, belästigen oder Schäden verursachen können, dürfen nicht mitgenommen werden. Die Beaufsichtigung obliegt dem Reisenden.“

Soweit die Theorie. In der Praxis machen Kontrabassisten aber ganz unterschiedliche Erfahrungen mit der Umsetzung der Gepäck-Regeln durch das Bahnpersonal. Auf meiner letzten Reise im ICE hatte ich auf dem Hinweg Glück: der Zug war recht leer, und das Flightcase (Bass mit abnehmbarem Hals) parkte im Bereich des Übergangs von den Abteilen zum Großraumwagen, wo der Durchgang etwas breiter ist.

Bei der Rückreise hingegen war der Zug voll. Ich parkte das Flightcase zunächst im Gang vor meinem Abteil-Sitzplatz, was die Schaffnerin aber nicht gestatten wollte. Sie pochte auf freie Fluchtwege. Da fast überall, wo etwas mehr Platz war, bereits Fahrgäste ohne Reservierung campierten, wurde es dann doch noch schwierig, einen Platz für den Bass zu finden. Schließlich durfte ich den Koffer im Eingangsbereich vor den Außentüren ablegen – flach, damit er nicht wegrollt. Mit einem Kontrabass in Tasche hätte ich mich das nicht getraut.

Fazit: Man darf den Bass als Traglast zwar eigentlich mitnehmen, aber wenn der Zug voll ist, hat man ein Problem, einen geduldeten Platz zu finden. Die Zugbegleiter sind dafür verantwortlich, dass Fluchtwege frei bleiben, und lassen sich nicht unbedingt davon beeindrucken, wenn man ihnen aus den Beförderungsrichtlinien für Traglasten vorliest, dass die Kontrabassmitnahme erlaubt ist.

4 opinions on “Mit dem Kontrabass in der Bahn unterwegs”

  1. Was mich interessiert: wie handle ich den Transport von Kontrabass und Gepäck im Fernverkehr? Die Einstiegstreppen sind oft schmal und steil. Wie komme ich in den Zug hinein?

  2. Ich fahre sehr oft die Strecke Berlin-Hannover mit K bass im ICE.
    Meiner Erfahrung nach ist das Bistro ein sehr guter Ort, dort ist in der Regel Platz um den Bass mit einem Spanngurt sicher zu befestigen.

  3. Ein wenig krativ, aber vielleicht einen Test wert: Eigene Kinder bis 12 oder 14 Jahre reisen ja kostenlos mit. Dann würde ich ein kostenloses Kind auf dem Fahrschein eintragen lassen und für kleines Extrageld 2 Sitzplätze resevieren.

  4. Ich bin vor 30 Jahren mit traditionellem Kontrabass in Tasche von Wuppertal bis in den Schwarzwald gereist, plus feiner Zwirn und Zahnbürste, mit zwei oder drei Umstiegen in alten D Zügen. Es lief darauf hinaus, dass ich den Bass senkrecht stehend am Handlauf an der Toilettenseite angebunden habe und daneben auf einem hölzernen Notsitz gehockt habe um das Instrument zu schützen und sofort bereit zu sein den rücksichtslosen Fahrgästen was auf die Omme zu hauen, denn diese waren neben dem Toilettengestank mein Hauptproblem, die Schaffner waren recht relaxt, aber diese Leute sowas von panne, als wäre die Leinenhülle eine Tarnkappe und als stünde dort gar nichts. Ich war die vielen Stunden dermassen auf Adrenalin, so dass ich genauso kaputt ankam als wenn ich die Strecke selbst gefahren wäre. Zurück bin ich mit einer Mitmusikerin im Käfer gefahren auch nicht sehr bequem aber ich musste mich nicht mehr so aufregen.

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