Jazz in Beijing

Nein, eine besonders große Affinität zum Jazz haben die Chinesen leider nicht. Das kleinere Nachbarland Südkorea hat eine viel lebendigere Jazzszene, und Japan ja sowieso. Wie in Deutschland hat das sicher mit den dort stationierten amerikanischen Streitkräften zu tun, die in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg für eine schnelle Verbreitung des Jazz sorgten. Dennoch gibt es auch in Peking eine Jazzszene, die aber, gemessen an den 21 Mio. Einwohnern der chinesischen Hauptstadt, sehr, sehr klein ist.

Das East Shore Jazz Café ist wahrscheinlich der für die lokale Szene wichtigste Jazzclub in Peking. Er liegt im ersten Stock, mit schöner Aussicht auf ein bunt beleuchtetes, lebendiges Kneipenviertel am Fluss. Der Eintritt ist frei, und die Getränke sind moderat bepreist (35 ¥ für ein Bier, das sind rund 4 €). Die Atmosphäre ist locker, und bei den meisten Konzerten ist es üblich, das Gastmusiker einsteigen und mit den örtlichen (bzw. eingewanderten) Musikern jammen.
Das East Shore Jazz Café ist gut mit der U-Bahn (Station Nanluoguxiang, Linie 6) zu erreichen. Allerdings nur auf dem Hinweg, denn die letzte Bahn fährt schon gegen 23 Uhr – für den Rückweg muss man also Taxi einplanen, was in China aber ja nicht allzu teuer ist.

Der Yue Fu Jazzclub und Weinbar liegt im 15. Stock eines luxuriösen Hotels, aber etwas ab vom Schuss. Hier treten auch regelmäßig bekannte internationale Musiker auf, und das Publikum sind eher Touristen aus Europa und USA als Einheimische. Der Eintritt wird wie in New Yorker Clubs je Set erhoben, die Getränkekarte fängt mit 80 ¥ (9,50 €) für ein Glas Wein an. Die Atmosphäre ist eher konzertant, man hört aufmerksam zu und führt Gespräche, wenn überhaupt, nur flüsternd.
Den Yue Fu Jazzclub erreicht man am besten mit dem Taxi. Da es ein neues und altes MOMA Hotel gibt, muss man etwas aufpassen, dass man nicht wie wir zum falschen gebracht wird. Beide sind aber nur 5 Minuten voneinander entfernt; wir hatten das Glück, auf der Straße einen ortskundigen Spanier zu treffen, der uns den richtigen Weg wies.

EastShoreJazz

East Shore Jazz Café
East Houhai / Yandai Xiejie / Di’anmen
后海烟袋斜街地安门
2. Stock, 2 Qianhai Nanyanlu (direkt neben bzw. hinter dem Postamt Di’anmenwai Dajie)
Xicheng District
西城区
地安门外大街前海南沿2号楼2层
täglich vom 15 bis 2 Uhr geöffnet, Eintritt frei
Tel. 8403 2131

YueFuJazz

Yue Fu Jazz
Dangdai MOMA Hotel
15. Stock, Gebäude T6, 1 Xiangheyuan Lu
Dongcheng District
东城区
东城区香河园路1号当代MOMA北区T6座15层
www.facebook.com/yuefujazz

Stichwort Ausgehen: mein heißer Tipp ist das Hutgong-Viertel südlich der Station Nanluoguxiang (Linie 6). Mittendrin befindet sich auch die wichtigste Schauspiel-Schule Chinas. Hier kann man stundenlang flanieren: es bietet neben kleinen Geschäften und Boutiquen eine Vielzahl schöner Kneipen und Restaurants, die allerdings meistens schon gegen 21–22 Uhr schließen. Man muss also etwas früher aufbrechen als gewohnt, da es aber bereits um 18 Uhr stockfinster ist, gewöhnt man sich schnell dran.

Woran man sich auch erst gewöhnen muss, ist der Umstand, dass man als blonder, blauäugiger Europäer hier ein auffälliger Exot ist. Die Chinesen gehen damit aber unbefangener um als wir in Deutschland. Vor allem von den vielen chinesische Touristen vom Land wird man oft angesprochen und um ein gemeinsames Selfie gebeten, als wäre man ein Pop-Star. Auf der schmalen Hauptstraße des Hutong-Viertels sorgte so eine deutsche Touristen-Familie unbeabsichtigt für Stau, denn den blonden Nachwuchs wollte sich als Fotomotiv niemand entgehen lassen.

2014-10-13 10.54.00

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