Neulich im Jazzkeller …

Am Mittwoch hatten wir wieder unterschiedlicheste Gäste im Jazzkeller. Ausnahmsweise ging es schon um 6 Uhr los, denn vor der eigentlichen Session fand unsere Frankfurter Schülersession statt, wo wir Schülerbands aus Frankfurter Schulen nebst Lehrern und Eltern einladen und coachen. Es war so voll wie noch nie: offenbar ist die Veranstaltung eine gute Idee gewesen. Nicht zuletzt auch, weil die Jungs und Mädels schon ordentlich besser geworden sind!

Um 9 ging es dann wie gewohnt weiter – allerdings waren das Gros der Schüler dann doch schon Heim gegangen. Sehr diszipliniert, die jungen Leute heute. Ein Gitarrist hatte einen befreundeten Sitar-Spieler mitgebracht. So eine Sitar klingt schon sehr nach Hippies, und ich wette, dass sich die meisten Anwesenden sogleich auf irgendeiner Wiese sitzend vorstellten, mit einer Tüte in der Hand … wenn wir unser Kiffermusik noch eine Weile weitergespielt hätten, wäre möglicherweise das Rauchverbot im Keller in Gefahr geraten. Soweit kam es aber nicht, unter anderem weil so eine Sitar nicht so viele Tonarten kann und der Abend dann doch noch eine jazzigere Richtung nahm.

Unerfreulich war allerdings ein Session-Gast, der in die Kategorie „Pimmel-Saxophonist“ fällt – das ist keine Wortschöpfung von mir, sondern die einer Kollegin, die mir aber gut gefällt und sofort in meinen Wortschatz aufgenommen wurde. Dieser Hornbesitzer (in Jogginghose!) packte also neben der Bühne aus, und begann, als ich gerade mit Bass-Solo dran war, mit einem jungen Kollegen Themen abzustimmen und auszuprobieren. Die Bühne hatte er in seiner Wahrnehmung so komplett ausgeblendet, dass er auch mein Zurufen nicht bemerkte. Zur nächsten Nummer kam er dann auf die Bühne. Der übliche Ablauf, Solo Sax, Sax, Klavier, Gitarre, Bass … ach nee, nochmal Sax. Die Jogginghose setzte wirklich alles daran, sich bei mir nachhaltig unbeliebt zu machen. Dass er sich uns weder vorstellte, noch sich verabschiedete, vervollständigte das Bild dann irgendwie. „Unhöflich“ beschreibt es nur ungenügend.
In solchen Momenten fällt mir immer Bill Anschells Text über Sessions und Musikertypen ein. Bill hat aber auch andere Bereiche des Jazzlebens recht treffend beschrieben. Mein Lesetipp zum Wochenende: www.billanschell.com/stories.html

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